Foto Doris Banspach
VERANSTALTUNGEN
Die Energiewende gerecht gestalten!
Zukünfte dekolonisieren: Keine Transformation auf Kosten anderer – globale Verantwortung bei Energiewende ernst nehmen!
„Grüne“ Technologien wie Batterien, Solaranlagen oder Elektroautos lassen den Bedarf an Rohstoffen in die Höhe schießen. Die Tagung „Zukünfte dekolonisieren – Kritische Blicke auf ‚grüne‘ Technologien“ am 9. Mai 2026 im Kulturzentrum Merlin in Stuttgart machte deutlich: Die für die Energiewende benötigten Rohstoffe werden überwiegend im Globalen Süden abgebaut und dies häufig unter Bedingungen, die mit Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und sozialen Ungleichheiten einhergehen. Nötig sind verbindliche politische Rahmenbedingungen, die Menschenrechte und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette sichern. Gleichzeitig betonten die rund 40 Teilnehmenden die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft: Nur durch kontinuierliches Engagement, internationale Vernetzung und öffentlichen Druck können gerechtere Strukturen geschaffen werden.
„Für viele Menschen in unseren Regionen bedeutet der Abbau von Rohstoffen nicht Entwicklung, sondern Verlust – von Land, von Wasser und von Lebensgrundlagen.“ Mamadou Diallo, NaturFreunde im Senegal (ASAN), machte in seiner Videogrußbotschaft deutlich, wie stark lokale Gemeinschaften unter den Folgen von Rohstoffabbau und Umweltveränderungen leiden und wie wichtig internationale Solidarität ist: „Für viele Menschen in unseren Regionen bedeutet der Abbau von Rohstoffen nicht Entwicklung, sondern Verlust – von Land, von Wasser und von Lebensgrundlagen. Wenn wir über eine grüne Zukunft sprechen, dann muss sie auch für uns gerecht sein“, betonte Mamadou Diallo.
Dr. Gunne Dolgor Guntsetseg, Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) hob hervor, dass globale Gerechtigkeit eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Transformation ist: „Die Energiewende darf nicht auf Kosten anderer Regionen stattfinden. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir auch globale Verantwortung übernehmen und bestehende Machtverhältnisse kritisch hinterfragen.“
Felix Henn, Werkstatt Ökonomie / KASA, sagte mit Blick auf Namibia und die deutsche Verantwortung in der Rohstoffpolitik: „Das Beispiel des Grünen Wasserstoff-Projektes Hyphen in Namibia zeigt, dass die Energiewende nicht auf Kosten derjenigen umgesetzt werden darf, die bereits von kolonialer Gewalt und Enteignung betroffen waren. Deutschland kann nicht glaubwürdig von nachhaltiger Transformation sprechen, solange neue Energiepartnerschaften koloniale Ungleichheiten fortschreiben statt historische Verantwortung ernst zu nehmen.“
Eindrücklich zeigten Vertretende internationaler Partnerschaften auf, dass lokale Gemeinschaften nicht ausreichend in Entscheidungen einbezogen werden, die ihre Lebensgrundlagen betreffen. Die Teilnehmenden fordern, dass sowohl beim Ausbau erneuerbarer Energien als auch beim Abschluss neuer Rohstoff- und Energieprojekte die Rechte der lokalen Bevölkerung konsequent geachtet und Umweltfolgen minimiert werden. Transparenz, Mitbestimmung und faire Verteilung der Gewinne müssen dabei zentrale Leitlinien sein. Die Veranstalter kündigten an, das Thema weiter zu vertiefen und den Dialog zwischen lokalen Initiativen, internationalen Partnern und politischen Entscheidungsträger*innen auszubauen. Denn klar ist: Eine wirklich nachhaltige Zukunft kann nur global gerecht gestaltet werden.
Vortragsreise von Mamadou Mbodji
Ökologische Kinderrechte stärken
Über zwei Wochen lang war Mamadou Mbodji, Vizepräsident der NaturFreunde Internationale und Präsident des Netzwerkes der afrikanischen NaturFreunde, auf Einladung des Fachbereichs GLOBAL in Baden-Württemberg unterwegs – mit einem Abstecher nach Wiesbaden. Unter dem Titel „Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt“ sprach er an Schulen, Hochschulen und NaturFreunde-Häusern über die enge Verbindung von Klimakrise, Gerechtigkeit und Kinderrechten. Ein besonderes Highlight der Reise war der Fachvortrag an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen, wo Mamadou Mbodji mit Studierenden über „Klimakrise und Gerechtigkeit – Lehren aus dem Globalen Süden“ diskutierte. Der Austausch zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die globale Perspektive in Bildungs- und Umweltarbeit einzubeziehen.
In seinen Vorträgen machte Mamadou Mbodji deutlich, dass die Klimakrise auch eine Krise der Menschenrechte ist – und dass insbesondere Kinder und Jugendliche im globalen Süden unter den Folgen leiden. Dürren, Ernteausfälle und Umweltzerstörung gefährden ihre Entwicklungschancen, ihre Gesundheit und letztlich ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft. Ein herzlicher Dank geht an alle, die diese Reise mitorganisiert, begleitet und unterstützt haben! Sie hat erneut gezeigt, wie wichtig es ist, Aufmerksamkeit für Klimagerechtigkeit und ökologische Kinderrechte zu schaffen – und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft der jungen Generation zu übernehmen.
Hier könnt ihr euch den ausführlichen Bericht zur Reise anschauen:
Fachbereichskonferenz GLOBAL – 2. 10. 2025
„Ökologische Kinderrechte – Zukunft sichern, Generationen verbinden“
Wie eng Kinderrechte, Umwelt- und Klimaschutz miteinander verbunden sind, stand im Mittelpunkt der Fachbereichskonferenz GLOBAL, die am 2. Oktober 2025 im Naturfreundehaus in Berghausen stattfand. Unter dem Titel „Ökologische Kinderrechte – Zukunft sichern, Generationen verbinden“ diskutierten die Teilnehmenden über die Verantwortung gegenüber der jungen Generation und die Notwendigkeit, das Recht auf eine gesunde Umwelt als Kinderrecht zu verankern.
Ein Höhepunkt des Abends war der Beitrag von Mamadou Mbodji, Vizepräsident der NaturFreunde Internationale und Präsident des Netzwerkes der afrikanischen NaturFreunde. In seinem eindrücklichen Vortrag beleuchtete er die Situation ökologischer Kinderrechte aus einer südlichen Perspektive. Er zeigte auf, wie stark die Klimakrise die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Afrika beeinträchtigt – von Dürren und Ernteausfällen bis hin zu gesundheitlichen Risiken – und machte deutlich, dass Klimagerechtigkeit immer auch eine Frage der Kinderrechte ist.
v.l.n.r.: Ursula Georg und Herbert Knienieder, Fachbereichsleitung GLOBAL– Doris Banspach, Fachgruppe International – Uschi Böss-Walter, OG Rastatt – Emilia Bauer, Naturfreundejugend – Foto: FB GLOBAL
Ein weiterer besonderer Programmpunkt war das Generationen-Panel mit Emilia Bauer von der Naturfreundejugend Baden und Uschi Böss-Walter, ehemaliges Mitglied des Landesvorstandes Baden und langjährige Fachbereichsleiterin GLOBAL. In einem lebendigen Dialog blickten die beiden auf das Engagement verschiedener Generationen für Klimagerechtigkeit: Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, welche Herausforderungen bleiben, und warum setzen sich Menschen jeden Alters weiterhin für eine gerechte und nachhaltige Welt ein? Das Gespräch machte deutlich, dass Erfahrung und jugendliche Energie sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig beflügeln.
Im Anschluss präsentierte Herbert Knienieder, Fachbereichsleiter GLOBAL im Landesvorstand Württemberg, den neuen „Aufruf Ökologische Kinderrechte“ an alle NaturFreundinnen und NaturFreunde sowie an die Gremien der NaturFreunde Baden-Württemberg. Mit dem Aufruf verbunden ist die Einladung an alle Mitglieder, sich aktiv mit ökologischen Kinderrechten auseinanderzusetzen, die Inhalte des Aufrufs in den Ortsgruppen zu thematisieren und Verantwortung für die junge Generation zu übernehmen. „Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Zukunft – und wir tragen als Bewegung eine gemeinsame Verantwortung, dieses Recht zu schützen“, so Knienieder.
Zum Abschluss wurde Uschi Böss-Walter offiziell verabschiedet. Sie hat den Fachbereich GLOBAL über viele Jahre aufgebaut und geprägt und sich mit Herzblut für internationale Solidarität, Frauenrechte und ökologische Gerechtigkeit eingesetzt. Für ihre Arbeit und ihr Engagement erhielt sie herzliche Worte des Dankes – auch aus dem Senegal: Peinda Faye, Koordinatorin des Umwelt- und Ausbildungszentrums in Bekhar/Saint-Louis und enge Weggefährtin von Uschi Böss-Walter, sandte eine emotionale Video-Botschaft, in der sie die langjährige Freundschaft und das vertrauensvolle Miteinander zwischen ihr und Uschi würdigte.
Die Fachbereichskonferenz zeigte eindrucksvoll, dass ökologische Kinderrechte weit mehr sind als ein politisches Thema – sie sind ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln über Generationen und Grenzen hinweg.
Erfolgreiche Konferenz am Weltfrauentag 2025
Frauen im Fokus – Klimagerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit gemeinsam denken
Am 8. März 2025 fand im Naturfreundehaus Am Hopfenberg in Pfinztal die Hybrid-Veranstaltung "Hitze, Hunger, Ungerechtigkeit: Die schwere Last der Frauen in der Klimakrise" statt. Mehr als 40 Menschen nahmen vor Ort und digital teil, um die Auswirkungen der Klimakrise auf Frauen zu diskutieren und konkrete Forderungen für eine gerechtere Zukunft zu formulieren.
Bereits zu Beginn machte Herbert Knienieder, Fachbereichsleiter GLOBAL der NaturFreunde Baden-Württemberg deutlich: Die Klimakrise ist nicht geschlechtsneutral. Besonders Frauen im globalen Süden tragen die Hauptlast der Folgen. „Wer Klimaschutz blockiert, nimmt bewusst in Kauf, dass sich Ungleichheiten verschärfen.“
v.l.n.r.: Herbert Knienieder, Ursel Georg, Malik Kartal, Angelika Keim, Foto: Steffen Hauswirth
Kernforderungen aus dem globalen Süden
Zwei eindrucksvolle Videobotschaften aus dem Senegal von Anna Ba (Umwelt- und Ausbildungszentrum Bekhar/Saint Louis) und Cumba Ba (NaturFreunde Kidira) verdeutlichten die konkreten Herausforderungen, mit denen Frauen in den von der Klimakrise besonders betroffenen Regionen konfrontiert sind. Ihre zentralen Forderungen waren:
- Zugang zu fairer Finanzierung und Land: Frauen müssen die Möglichkeit erhalten, eigene einkommensschaffende Maßnahmen zu ergreifen.
- Bildung für alle Mädchen: Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und muss für alle zugänglich sein.
- Schutz vor Gewalt: Frauen brauchen wirksamen Schutz vor körperlicher, psychischer und struktureller Gewalt.
- Förderung beruflicher Selbstständigkeit: Frauen müssen in die Lage versetzt werden, eigene berufliche Perspektiven zu entwickeln.
- Zugang zu umfassender medizinischer Grundversorgung: Gesundheitliche Versorgung darf kein Privileg sein – alle Frauen müssen Zugang zu medizinischer Hilfe haben.
Aus technischen Gründen konnte leider Claire Gabiam von den NaturFreunden Togo nicht online dazugeschaltet werden. Ihre Botschaft kann hier nachgelesen werden.
Forderungen aus Politik und Zivilgesellschaft
In der anschließenden Podiumsdiskussion brachten die geladenen Referent:innen weitere zentrale Anliegen ein:
- Alexandra G. Keim (Gleichstellungsbeauftragte, Landkreis Karlsruhe):
- Bauplanung muss die Sicherheitsaspekte von Frauen berücksichtigen.
- Die Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungsprozessen muss umfassender werden.
- Malik Kartal (Sprecher der Jusos Pfinztal, stv. Vorsitzender der SPD Pfinztal):
- Eine gesicherte Finanzierung für ein gerechtes und gutes Bildungssystem ist unerlässlich.
- Die Entwicklungspolitik muss reformiert und von postkolonialen Strukturen befreit werden.
- Die Finanzierung der Entwicklungspolitik muss neu aufgestellt werden, um langfristige und gerechte Partnerschaften zu ermöglichen.
- Ursel Georg (Mitglied im Vorstand des Landesverbands Baden der NaturFreunde):
- Der Aufbau von Klimapartnerschaften zwischen dem globalen Norden und Süden ist essenziell.
- Bildung für Mädchen, Gesundheitsversorgung und internationale Solidarität müssen gestärkt werden.
- Die Beteiligung von Frauen muss in allen gesellschaftlichen und politischen Prozessen mitgedacht werden.
Der nächste Schritt: Forderungspapier an die Bundesregierung
Die Veranstaltung machte deutlich: Geschlechtergerechtigkeit und Klimagerechtigkeit sind untrennbar miteinander verbunden. Der Fachbereich GLOBAL der NaturFreunde Baden-Württemberg wird die gesammelten Forderungen und Erkenntnisse in einem Papier zusammenfassen und an die neue Bundesregierung übermitteln.
Wir danken allen Teilnehmenden und Referent:innen, die diesen wichtigen Austausch möglich gemacht haben. Gemeinsam setzen wir uns weiter für eine Welt ein, in der Klimagerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit keine Vision bleiben, sondern Wirklichkeit werden.
















